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Datum: 10.03.10

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Aus der Chronik der Adolf-Reichwein-Schule

Als Anfänge der heutigen Adolf-Reichwein-Schule lassen sich aus Forschungsarbeiten trotz unsicherer Quellenlage vermuten, dass das Waisenhaus von 1766, das Arbeitshaus Industrieschule von 1811 und die Sonntagsschule von 1815 folgerichtige erste schulische Stationen sind, die 1818 zur Gründung der Handwerksschule führen. Die wechselvolle Geschichte dieser Schule mündet 1882 in der hiesigen Fortbildungsschule (Verein für Gewerbe und Handel). 1885 wird diese Schule als gewerbliche Fortbildungsschule im 1. Ortsstatut (G) verankert und ab 1922 als Gewerbliche Berufsschule in der Stadt Marburg zielstrebig ausgebaut.

Am 20. November 1958 wird der Grundstein für den Neubau der Gewerblichen Berufs- und Berufsfachschule in Marburg an der Lahn, an der Weintrautstraße, gelegt. Die Namensgebung der "Adolf-Reichwein-Schule" für die Städtische Gewerbliche Berufs- und Berufsfachschule erfolgt am 11. Mai 1962.

Mit der Grundsteinlegung in 1958 setzt eine Phase konsequenter Aus- und Aufbauarbeit des Schulträgers für die Berufsschule an der Weintrautstraße ein. Wichtige Stationen dieser Entwicklung sind:

 

3. November 1961

Einweihung und Übergabe des ersten Bauabschnitts

29. Juni 1964

Grundsteinlegung des zweiten Bauabschnitts, der die Berufsfachschule aufnehmen soll

14. Oktober 1966

Einweihung und Übergabe des zweiten Bauabschnitts

15. Dezember 1975

Grundsteinlegung für das neue Werkstattgebäude

10. Dezember 1976

Einweihung und Übergabe des neuen Werkstattgebäudes

1. März 1977

Grundsteinlegung für den Fachklassentrakt

9. Juli 1979

Einweihung und Übergabe des Fachklassentrakts

Mai 1998

Fertigstellung der Sanierungs- und Umbauarbeiten (Haus B)

Aufnahme der eigenständigen Schule für Erwachsene (Abendgymnasium, Abendrealschule und Abendhauptschule)

September 2004

Fertigstellung der Sanierungs- und Umbauarbeiten in der Kfz-Werkstatt (Haus E)

September 2005

Fertigstellung der Sanierungs- und Umbauarbeiten des Werkstatttraktes (Haus D)

Oktober 2005

Fertigstellung der Sanierungs- und Umbauarbeiten (Haus A)

Seit dem letzten Schulentwicklungsplan aus dem Jahr 1995 hat die Schule folgende maßgeblichen Organisationsmaßnahmen zu verzeichnen:

  • Erweiterung des beruflichen Gymnasiums, Fachrichtung Technik, um den Schwerpunkt „Bautechnik“ ab dem Schuljahr 1996/97,
  • Erweiterung der zweijährigen Berufsfachschule, die auf einem mittleren Abschluss aufbaut, um die Fachrichtung Informationsverarbeitung - Technik, zum Schuljahr 1998/99
  • Erweiterung der zweijährigen Berufsfachschule, die auf einem mittleren Abschluss aufbaut, um die Fachrichtung biologisch-technischer Assistent ab dem Schuljahr 1999/00,
  • Erweiterung der zweijährigen Berufsfachschule um das Berufsfeld Körperpflege ab dem Schuljahr 2004/05
  • Unterricht für Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf in der Berufsschule im Rahmen der Besonderen Bildungsgänge und einer Marburger Produktionsschule in Kooperation mit Arbeit und Bildung e.V.

Die Adolf-Reichwein-Schule ist organisatorisch in vier Abteilungen aufgeteilt:

  • Abteilung I: Teilzeitberufsschule des Berufsfeldes Bautechnik; Berufsfachschule, Berufsgrundbildungsjahr und die Bildungsgänge zur Berufsvorbereitung
  • Abteilung II: Teilzeitberufsschule der Berufsfelder Metall, Elektrotechnik; Fachoberschule
  • Abteilung III: Teilzeitberufsschule der Berufsfelder Chemie/Physik/Biologie, Informationstechnik (IT) und Körperpflege;  Höhere Berufsfachschule, die auf einem mittleren Abschluss aufbaut (Assistentenberufe)
  • Abteilung IV: Teilzeitberufsschule des Berufsfeldes Farb- und Raumgestaltung; Berufliches Gymnasium

Innerschulische Veränderungen und die o. g. Organisationsmaßnahmen haben zu einer unterschiedlichen Entwicklung der Schule im Teilzeit- und Vollzeitschulbereich und ihrer Abteilungen beigetragen.

So wird auch anhand der Statistiken über die Teilzeitberufsschule deutlich, wie stark – auch abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung in der Region – Ausbildungsplätze im gewerblich-technischen Bereich reduziert werden und dadurch bedingt einzelne Ausbildungsberufe in der Adolf-Reichwein-Schule nicht mehr beschult werden können (z. B. Industrie- und Anlagenmechaniker, Buchbinder, Zimmermann). Dafür werden auch neue Ausbildungsgänge an der Adolf-Reichwein-Schule in der Informatik und bei den Straßenbauern unterrichtet.

Im Vollzeitschulbereich nehmen die Anmeldungszahlen aufgrund eines neu gestalten Ausbildungsplatzangebotes bei den Assistentenberufen bzw. neuer Schwerpunkte in der Berufsfachschule zu.

Eine Neuausrichtung des beruflichen Gymnasiums in den Schwerpunkten Chemietechnik, Datenverarbeitungstechnik und Bautechnik stabilisiert nicht nur die Schülerzahlen in dieser Schulform, sondern führt aufgrund der intensiven pädagogischen Arbeit zur Ausweitung der Schülerzahlen in diesem Bereich.


Broschüre zur Einweihung des E-Gebäudes

Zur Einweihung des neuen E-Gebäudes wurde 1979 eine Broschüre (*.pdf 3MB) herausgegeben.

Für alle, die etwas in Nostalgie schwelgen wollen..

 

 


Die Namensgebung

Die Namensgebung der "Adolf-Reichwein-Schule" für die Städtische Gewerbliche Berufs- und Berufsfachschule erfolgt am 11. Mai 1962 im Rahmen einer Feierstunde, zu der Schulträger und Schulgemeinde die Öffentlichkeit einladen. In Anwesenheit von Frau Rosemarie Reichwein erhält die Schule den Namen ADOLF-REICHWEIN-SCHULE, Städtische Gewerbliche Berufs- und Berufsfachschule. Oberbürgermeister Gaßmann würdigt in einer Festansprache die Persönlichkeit Adolf Reichweins und führt aus, daß der Entschluß zum aktiven Widerstand gegen die totalitären Kräfte das Schicksal Reichweins besiegelte und daß im Kampf für die Erhaltung eines freien Menschentums die Bedeutung seines pädagogischen Wirkens lag. Die Schule soll dieses Vermächtnis aufnehmen und weitergeben. Bildungsangebote und pädagogische Vorhaben der Schule spiegeln Zeitgeist, Nützlichkeitsdenken und Zukunftsorientiertheit gleichermaßen.

 

Entwicklung der Bildungsangebote an der Adolf-Reichwein-Schule

Die Zeit der Genügsamkeit, in welcher die Elementarkenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen für hinreichend gehalten wurden, scheint Mitte des 19. Jahrhunderts in der Handwerksschule schon überwunden. Der berufsbegleitende Charakter des Unterrichts tritt in den Vordergund, wenngleich alle unterrichtlichen Aktivitäten noch in der arbeitsfreien Zeit liegen. In erster Linie sollen Erwerbsfähigkeit und Erwerbstüchtigkeit erweitert werden. Fachkunde, Fachrechnen und Fachzeichnen werden zu typischen Fächern der BERUFSSCHULE (BS) , die in Klassen mit Lehrlingen traditioneller Handwerksberufe noch in den sechziger Jahren Bestand haben. Die Folgeerscheinungen geburtenstarker Jahrgänge und dementsprechend knapper Ausbildungsplätze führen an den Berufsschulen zu Überlegungen, wie schulentlassene Jugendliche gefördert werden können. Zum Schuljahresbeginn 1953/54 (Ostern) wird eine zweijährige gewerbliche BERUFSFACHSCHULE (BFS) eröffnet, die bei bestandener Abschlussprüfung das erste Jahr einer praktischen Berufsausbildung ersetzt. Der Abschluss der Berufsfachschule ist ein mittlerer Bildungsabschluss. Die erste Abschlussprüfung findet im Februar 1955 statt. Ostern 1958 wird die BERUFSAUFBAUSCHULE (BAS) als dritte Schulform an die Gewerbliche Berufsschule angegliedert. Nach den Beschlüssen des Stadtschulvorstandes und des Magistrats vom Juli und August 1957 genehmigt der Regierungspräsident in Kassel mit Verfügung vom 25.2.1958, ab Ostern 1958 Aufbauzüge im Teilzeitunterricht einzuführen. In sieben Halbjahren werden Schüler dieser Aufbauzüge (heute Berufsaufbauschule) unter Einbeziehung berufsspezifischer Wissensbestände zu einem mittleren Bildungsabschluss geführt. 1961 genehmigt der Hessische Kultusminister die Durchführung dieser Unterrichtsveranstaltungen auch im Vollzeitunterricht. Im März 1962 findet die erste Abschlussprüfung statt. In diesen Jahren eröffnen Berufsausbildung und mittlerer Bildungsabschluss den Zugang zu den Ingenieurschulen (Fachschulen). Als im Rahmen der Europäischen Gemeinschaft (EG) unter dem Gesichtspunkt der Gleichwertigkeit beruflicher Qualifikationen die Ingenieurschulen in Fachhochschulen umgewandelt werden, erfolgt in Hessen die Errichtung von Fachoberschulen an beruflichen Schulen. Im August 1969 nimmt die FACHOBERSCHULE (FOS) an der Adolf-Reichwein-Schule mit den Schwerpunkten Technik und Wirtschaft ihren Unterrichtsbetrieb auf. Die erste Abschlußprüfung für die Schüler der Jahrgangsstufe 12 findet im Juli 1971 statt. Die mit der Abschlussprüfung erworbene Fachhochschulreife stellt die Voraussetzung zur Aufnahme eines Studiums an Fachhochschulen dar. Im August 1972 wird die Fachrichtung Wirtschaft aus der Fachoberschule ausgegliedert und als selbständige Fachrichtung an der Kaufmännischen Berufsschule weitergeführt. Die hier zunächst vorgestellten beruflichen Schulformen haben das Bildungsangebot der Adolf-Reichwein-Schule differenziert ausgestaltet. Fragen nach einer Integration der verschiedenen Bildungsgänge blieben zunächst unbeantwortet. Den ersten Ansatz in dieser Richtung bildet die FACHSCHULE FÜR TECHNIK, Fachrichtung Elektrotechnik/Elektronik. Im August 1974 werden die ersten Studierenden dieser Fachrichtung in die Adolf-Reichwein-Schule aufgenommen. Neben dem eigentlichen Ziel der Fachschule, zum staatlich geprüften Techniker ausgebildet zu werden, können die Studierenden je nach Vorbildung die Abschlußqualifikation der Berufsaufbauschule oder der Fachoberschule zusätzlich erlangen. Im Sommer 1977 haben die vorläufig letzten Studierenden ihre Prüfungen abgelegt. 1973 wird nach einer intensiven Diskussionsphase innerhalb der Schulgemeinde und in der politischen Öffentlichkeit für die Adolf-Reichwein-Schule ein Modellversuch vorgeschlagen, der in gestuften Bildungsgängen in den Berufsfeldern

  • Metallgewerbliche Berufe (01)
  • Elektrotechnische Berufe (02)
  • Naturwissenschaftlich-technische Berufe (05)

den Bildungsabschluss Fachhochschulreife und den Bildungsabschluss Allgemeine Hochschulreife vermittelt. Eine sogenannte Binnenintegration, d. h. gemeinsame Unterrichtsveranstaltungen für Berufsschüler, Fachoberschüler und Schüler des Technischen Gymnasiums, soll einen leichteren Einstieg und eine horizontale Durchlässigkeit in die Schulformen des Modellversuchs vermitteln. Das Ziel ist, starre Bildungsgänge zu überwinden. Die Stadtverordnetenversammlung beschließt in ihrer Sitzung am 7.12.1973 dieses neue Bildungsangebot, das der Hessische Kultusminister mit Erlaß vom 5. März 1974 genehmigt. Zum Schuljahresbeginn 1974/75 nehmen 149 Vollzeitschüler und 114 Teilzeitschüler dieses Angebot an. Damit nimmt zugleich innerhalb des Modellversuchs das TECHNISCHE GYMNASIUM seinen Unterrichtsbetrieb auf. Im Sommer 1976 legen die ersten Absolventen des Modellversuchs die Fachhochschulreifeprüfung und im Sommer 1977 erstmals die Reifeprüfung an unserer Schule ab. Dieser Modellversuch wird auf Antrag des Schulträgers durch Erlaß des Hessischen Kultusministers vom 4. Februar 1977 um den Bildungsabschluss Allgemeine Hochschulreife ohne berufliche Oualifikation erweitert. Mit dieser Erweiterung setzt eine sehr enge Zusammenarbeit mit der Richtsberg-Gesamtschule ein, die ihre Schüler nach der Jahrgangsstufe 10 in den Bildungsangeboten des Modellversuchs weiterführen kann, d. h. Richtsberg-Schüler, die diese Angebote wahrnehmen, treffen dabei neben den Lehrkräften der Adolf-Reichwein-Schule auch auf ihre ehemaligen Lehrer, die sie während ihrer Ausbildung in der Sekundarstufe I unterrichtet haben. Lehrkräfte beider Schulen arbeiten gemeinsam an Projekten des Modellversuchs und in Unterrichtsveranstaltungen des Bereiches Polytechnik. Zum Schuljahresbeginn 1977/78 wurde mit Schülern und Lehrern beider Schulen der Unterricht im erweiterten Modellversuch fortgeführt. Zielsetzung ist die abschlussprofilübergreifende Zusammenarbeit der nachfolgend genannten schulischen Bereiche in enger Kooperation mit der Richtsberg-Gesamtschule.


In den Jahren von 1979 bis 1982 besuchten jeweils über 3.000 Schüler die Adolf-Reichwein-Schule. Auf Beschluss des Schulträgers wird von 1982 bis 1984 das Berufsfeld Ernährung und Hauswirtschaft, insgesamt mit über 500 Vollzeit- und Teilzeitschüler/innen, an die Käthe-Kollwitz-Schule Marburg verlegt. Zum Schuljahresbeginn 1985/86 wird das Abschlussprofil II "Allgemeine Hochschulreife und berufliche Qualifikation" um den einjährigen Bildungsgang für Abiturienten zum "Staatlich geprüften chemisch-technischen Assistenten/in" erweitert. Seit 1986 finden jährlich diese Abschlussprüfungen in der Adolf-Reichwein-Schule statt. Das Assistentenprofil findet in der Fachrichtung "Staatlich geprüfter Ingenieurassistent für Konstruktions- und Fertigungstechnik" seine Fortsetzung. Im Sommer 1994 verlassen die ersten Absolventen unsere Schule. Doch nach nur drei Jahren muss dieser Ausbildungsgang beendet werden; die fehlenden Schüler lassen eine weitere Beschulung nicht zu.

Die weitere Entwicklung der Schule finden Sie unter der Rubrik: Entwicklung der Schülerzahlen.

 



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