Als Anfänge der heutigen Adolf-Reichwein-Schule lassen sich aus Forschungsarbeiten trotz unsicherer Quellenlage vermuten, dass das Waisenhaus von 1766, das Arbeitshaus Industrieschule von 1811 und die Sonntagsschule von 1815 folgerichtige erste schulische Stationen sind, die 1818 zur Gründung der Handwerksschule führen. Die wechselvolle Geschichte dieser Schule mündet 1882 in der hiesigen Fortbildungsschule (Verein für Gewerbe und Handel). 1885 wird diese Schule als gewerbliche Fortbildungsschule im 1. Ortsstatut (G) verankert und ab 1922 als Gewerbliche Berufsschule in der Stadt Marburg zielstrebig ausgebaut.
Am 20. November 1958 wird der Grundstein für den Neubau der Gewerblichen Berufs- und Berufsfachschule in Marburg an der Lahn, an der Weintrautstraße, gelegt. Die Namensgebung der "Adolf-Reichwein-Schule" für die Städtische Gewerbliche Berufs- und Berufsfachschule erfolgt am 11. Mai 1962.
Mit der Grundsteinlegung in 1958 setzt eine Phase konsequenter Aus- und Aufbauarbeit des Schulträgers für die Berufsschule an der Weintrautstraße ein. Wichtige Stationen dieser Entwicklung sind:
3. November 1961 | Einweihung und Übergabe des ersten Bauabschnitts |
29. Juni 1964 | Grundsteinlegung des zweiten Bauabschnitts, der die Berufsfachschule aufnehmen soll |
14. Oktober 1966 | Einweihung und Übergabe des zweiten Bauabschnitts |
15. Dezember 1975 | Grundsteinlegung für das neue Werkstattgebäude |
10. Dezember 1976 | Einweihung und Übergabe des neuen Werkstattgebäudes |
1. März 1977 | Grundsteinlegung für den Fachklassentrakt |
9. Juli 1979 | Einweihung und Übergabe des Fachklassentrakts |
Mai 1998 | Fertigstellung der Sanierungs- und Umbauarbeiten (Haus B) Aufnahme der eigenständigen Schule für Erwachsene (Abendgymnasium, Abendrealschule und Abendhauptschule) |
September 2004 | Fertigstellung der Sanierungs- und Umbauarbeiten in der Kfz-Werkstatt (Haus E) |
September 2005 | Fertigstellung der Sanierungs- und Umbauarbeiten des Werkstatttraktes (Haus D) |
Oktober 2005 | Fertigstellung der Sanierungs- und Umbauarbeiten (Haus A) |
Seit dem letzten Schulentwicklungsplan aus dem Jahr 1995 hat die Schule folgende maßgeblichen Organisationsmaßnahmen zu verzeichnen:
- Erweiterung des beruflichen Gymnasiums, Fachrichtung Technik, um den Schwerpunkt „Bautechnik“ ab dem Schuljahr 1996/97,
- Erweiterung der zweijährigen Berufsfachschule, die auf einem mittleren Abschluss aufbaut, um die Fachrichtung Informationsverarbeitung - Technik, zum Schuljahr 1998/99
- Erweiterung der zweijährigen Berufsfachschule, die auf einem mittleren Abschluss aufbaut, um die Fachrichtung biologisch-technischer Assistent ab dem Schuljahr 1999/00,
- Erweiterung der zweijährigen Berufsfachschule um das Berufsfeld Körperpflege ab dem Schuljahr 2004/05
- Unterricht für Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf in der Berufsschule im Rahmen der Besonderen Bildungsgänge und einer Marburger Produktionsschule in Kooperation mit Arbeit und Bildung e.V.
Die Adolf-Reichwein-Schule ist organisatorisch in vier Abteilungen aufgeteilt:
- Abteilung I: Teilzeitberufsschule des Berufsfeldes Bautechnik; Berufsfachschule, Berufsgrundbildungsjahr und die Bildungsgänge zur Berufsvorbereitung
- Abteilung II: Teilzeitberufsschule der Berufsfelder Metall, Elektrotechnik; Fachoberschule
- Abteilung III: Teilzeitberufsschule der Berufsfelder Chemie/Physik/Biologie, Informationstechnik (IT) und Körperpflege; Höhere Berufsfachschule, die auf einem mittleren Abschluss aufbaut (Assistentenberufe)
- Abteilung IV: Teilzeitberufsschule des Berufsfeldes Farb- und Raumgestaltung; Berufliches Gymnasium
Innerschulische Veränderungen und die o. g. Organisationsmaßnahmen haben zu einer unterschiedlichen Entwicklung der Schule im Teilzeit- und Vollzeitschulbereich und ihrer Abteilungen beigetragen.
So wird auch anhand der Statistiken über die Teilzeitberufsschule deutlich, wie stark – auch abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung in der Region – Ausbildungsplätze im gewerblich-technischen Bereich reduziert werden und dadurch bedingt einzelne Ausbildungsberufe in der Adolf-Reichwein-Schule nicht mehr beschult werden können (z. B. Industrie- und Anlagenmechaniker, Buchbinder, Zimmermann). Dafür werden auch neue Ausbildungsgänge an der Adolf-Reichwein-Schule in der Informatik und bei den Straßenbauern unterrichtet.
Im Vollzeitschulbereich nehmen die Anmeldungszahlen aufgrund eines neu gestalten Ausbildungsplatzangebotes bei den Assistentenberufen bzw. neuer Schwerpunkte in der Berufsfachschule zu.
Eine Neuausrichtung des beruflichen Gymnasiums in den Schwerpunkten Chemietechnik, Datenverarbeitungstechnik und Bautechnik stabilisiert nicht nur die Schülerzahlen in dieser Schulform, sondern führt aufgrund der intensiven pädagogischen Arbeit zur Ausweitung der Schülerzahlen in diesem Bereich.