Wir bringen Holz in Form: die BVJ-EIBE-Klasse in der Produktionsschule Marburg baut einen Pavillon für die Käthe Kollwitz-Schule
In einer kleinen Feierstunde übergab eine Gruppe von Jugendlichen aus der Produktionsschule Marburg gemeinsam mit ihren Lehrern, Arbeitsanleitern und Diplompädagoginnen einen Pavillon für den Garten der Käthe-Kollwitz-Schule sowie überarbeitete Sitzflächen für die Schulhofbänke. Die Produktionsschule ist ein Kooperationsverbund zwischen dem freien Bildungsträger Arbeit und Bildung e.V. und der Adolf-Reichwein-Schule in Marburg und hilft Jugendlichen, sich über ein praxisorientiertes Unterrichtsangebot mit hohen Werkstattanteilen beruflich zu orientieren.
Im Rahmen einer fächerübergreifenden Projektarbeit wurde seit Schuljahresbeginn an beiden Projekten intensiv gearbeitet. Alle zur Planung und Herstellung notwendigen Arbeiten wurden von den Jugendlichen mit einem Höchstmaß an Eigenverantwortung ausgeführt. Zunächst wurden Skizzen und Zeichnungen angefertigt und die Planung auf das vorhandene Gelände abgestimmt. Das war gar nicht so einfach, die Schüler mussten dabei den vorhandenen Baumbestand berücksichtigen, denn beim Aufbau sollten die Bäume nicht beschädigt werden.
Nach den Vermessungsarbeiten, der Festlegung der Höhe, Breite und Gebäudetiefe wurde die Konstruktion in Ständerbauweise festgelegt. Die Übertragung zweidimensionaler Entwurfszeichnungen in ein dreidimensionales Modell förderte insbesondere das räumliche Denken. Die Ermittlung der Materialmenge bildete die Basis für eine Preiskalkulation, um der Käthe-Kollwitz-Schule ein Angebot erstellen zu können, das ihren Wünschen entsprach.
Die Herstellung erfolgte in der Holzwerkstatt der Produktionsschule in Wehrda. Hier konnten die Teilnehmer ihre Erfahrungen aus den betrieblichen Praktika einbringen. Dabei kam es besonders darauf an, exakt und sorgfältig zu arbeiten, denn um eine hohe Stabilität zu erreichen, entschied man sich, die Eckverbindungen zu überblatten und mit Holzdübeln zu sichern.
Nachdem die Einzelteile nach Plan hergestellt und mit einem Lasuranstrich versehen waren konnte mit den Aufbauarbeiten begonnen werden. Die Auswahl notwendiger Werkzeuge und des Verbindungs- und Befestigungsmaterials erforderte vorausschauendes Denken und eine hohe Planungskompetenz, die in der Gruppe zu angeregten Diskussionen führte. Die Materialien wurden mit dem VW-Bus von Arbeit und Bildung e.V. angeliefert und im Garten der Käthe-Kollwitz-Schule wurde die Baustelle eingerichtet.
Die Spannung war groß, denn hier ging es nicht um Schulnoten, es ging darum, dass die Verbindungen und Bohrungen der Konstruktion exakt passten. Die professionelle Vorbereitung brachte den gewünschten Erfolg: innerhalb von knapp 4 Tagen wurde der neue Pavillon aufgestellt und ein kleines Richtfest gefeiert.
Die Jugendlichen überarbeiteten darüber hinaus 60m2 Sitzflächen für Schulhofbänke. Auch hier planten, organisierten und führten sie –nach Anleitung der Lehrer - die einzelnen Arbeitsschritte weitestgehend eigenständig durch. Zuerst mussten die Bänke an der Käthe-Kollwitz-Schule demontiert werden. Anschließend wurden die einzelnen Elemente zur Marburger Produktionsschule gebracht. Dort erfolgte die Trocknung und Aufarbeitung der Bänke. Im Anschluss daran wurden die Bänke wieder zur Käthe-Kollwitz-Schule gebracht und dort montiert.
Die Abteilung Ernährung und Hauswirtschaft der KKS verwöhnte die Gruppe aus der Produktionsschule mit Spezialitäten vom Grill und aus der Küche. Ein kleiner Erlös aus der Arbeitsleistung kommt der Ausstattung der Werkstatt der Produktionsschule zugute. Eine solche Anerkennung ihrer Arbeit ist für die Teilnehmer aus den berufsvorbereitenden Maßnahmen besonders wichtig, da diese Jugendlichen oft erhebliche Schwierigkeiten haben, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.
Carsten Klein und Rolf Daniel, Adolf-Reichwein-Schule, Marburg